Anita Ramírez in Wiesbaden
I. Mein Mann César ist Computerexperte. Zu Hause in Venezuela hatte er mit deutschen Kunden zu tun. Einer hat ihm vorgeschlagen, für seine Firma in Deutschland zu arbeiten. Er hat das Angebot angenommen, weil das Leben in Venezuela nicht einfach ist, und ist nach Wiesbaden gegangen.
II. Ein Jahr später bin ich mit unserer Tochter zu ihm gezogen. Wiesbaden ist nicht so groß wie unsere Heimatstadt. Aber es gibt alles, was ich mir wünsche: Kinos, ein Theater, gute Restaurants und viele Geschäfte. Die Geschäfte sind das Schönste für mich, weil sie alle in einer Straße sind, und ich kaufe schöne Sachen gern. Aber das Beste ist, dass es in Wiesbaden so sicher ist. Hier habe ich keine Angst vor Kriminellen.
III. Trotzdem war ich am Anfang erschrocken, als ich meine Geldtasche mit allen wichtigen Papieren verloren hatte. Da hatte ich echten Stress. Es ist schwer, einen neuen Ausweis zu bekommen. Es ist teuer und dauert lange. Glücklicherweise hat mir ein Deutscher den Tipp gegeben, ins Fundbüro zu gehen. Dort hatte jemand meine Geldtasche abgegeben. Geld war nicht mehr drin, aber alle meine Papiere waren noch da. In Deutschland gibt es für jedes Problem eine Stelle, die weiterhilft. Die Deutschen sind sehr gut organisiert. Sie haben für alles einen Plan.
IV. In Venezuela machen Kollegen im Büro mal Spaß und sprechen ein bisschen über die Familie und die Kinder. Hier ist das anders. Manchmal wünschen wir uns, dass die Menschen hier etwas wärmer wären. In Venezuela kümmern wir uns gern um Fremde und versuchen, sie schnell zu integrieren. Die Deutschen brauchen ein bisschen mehr Zeit, um sich zu öffnen. Aber jetzt haben wir schon ein paar gute deutsche Freunde gefunden.